-
Vernissage: Natasza Mirak (PL) - Erinnerungen an die Zukunft
-
Malerei
- Beginn
- Freitag 16. Januar 2026, 18h00
- www
- galerie-nielaba.com
- Details
- Ausstellung: 17:01 - 28:02.2026
Natasza Mirak
Absolventin der Kunstakademie Breslau. Diplom mit Auszeichnung im Jahr 2001.
Mitglied des Verbands Polnischer Bildender Künstler (ZPAP).
2008–2013 - Dozentin im Postgraduiertenstudium der Kunstakademie Breslau „Bildende Disziplinen in der Architektur“.
Kamila Szadaj vel Natasza Mirak - Malerei
Die polnische Künstlerin Kamila Szadaj, die unter dem Namen Natasza Mirak arbeitet, entwickelt ein OEuvre, das tief in kunsthistorischen Traditionen verwurzelt ist und zugleich eine ausgesprochen zeitgenössische Bildsprache artikuliert. Ihre Arbeiten entstehen im Dialog mit der Vergangenheit, insbesondere mit der niederländischen Malerei des 15. Jahrhunderts. Vor allem Jan van Eyck, dessen Erhabenheit der Figuren und minutiöser Detailreichtum Mirak nachhaltig beeindruckt haben, bildet einen ästhetischen Referenzpunkt. Doch anstatt historische Formen lediglich zu zitieren, überführt sie die visuellen Konventionen der Porträtmalerei in die Gegenwart, indem sie diese behutsam dekonstruiert und verfremdet.
Im Zentrum ihres Werkes stehen Porträts von Frauen – Müttern, Ehefrauen und Töchtern, reale wie imaginierte Gestalten, die auf Erinnerungen aus ihrer Kindheit und ihrem familiären Umfeld basieren. Mirak ersetzt das erwartbare menschliche Erscheinungsbild oft durch üppiges Blattwerk, ornamentale bzw. architektonische Strukturen oder hybride Bildflächen und erschafft damit alternative, fantastisch aufgeladene Darstellungen. Auf diese Weise löst sie die tradierten Rollenzuschreibungen klassischer Porträts auf und enthüllt die kulturellen „Korsetts“, die Frauen damals wie heute einengen. Während wir uns gern moderner wähnen als unsere Vorfahren, so weist die Künstlerin darauf hin, seien es lediglich andere, moderne Normen, denen wir uns unterwerfen. Ihre Malerei ist daher Ausdruck einer bewussten Widerspenstigkeit – eines künstlerischen Befreiungsaktes gegenüber gesellschaftlichen Zuschreibungen, Erwartungen und stilistischen Dogmen.
Natasza Miraks Bildwelten sind darüber hinaus durchzogen von symbolischen Tiergestalten und mythologischen Motiven, die aus europäischen Volksgeschichten, philosophischen Traditionen und religiösen Überlieferungen stammen. Der Rabe, etwa als Reminiszenz an Hugin und Munin aus der nordischen Mythologie – Gedanke und Erinnerung – fungiert als Träger geistiger Dimensionen. Andere Symbole, darunter der Apfel oder die Schlange aus der biblischen Tradition sowie der Granatapfel mit seinen hinduistischen und keltischen Konnotationen, erweitern die Bildbedeutungen um Themen wie Erkenntnis, Fruchtbarkeit, Sexualität und Leben. In der Verschränkung solcher Motive erschaffen die Werke eine dichte, mehrschichtige Symbolik, die persönliche und kollektive Erinnerungen bündelt.
Technisch gehören Miraks Arbeiten zu den bemerkenswertesten Erscheinungen ihres Genres. Nach einer vorbereitenden Grundierung entsteht ein komplexer Untergrund aus Acrylaten, Acrylfarben, Schlagmetall, Stoffen oder angenähtem Papier, der der Bildfläche Tiefe, Struktur und eine dreidimensionale Wirkung verleiht. Erst darauf beginnt der eigentliche Malprozess, der vom Groben zum Feinen verläuft: Zunächst wird das Motiv in Acrylfarben angelegt, anschließend in zahlreichen Schichten mit Ölfarben übermalt, die sie mit feinsten Pinseln, Lasuren und einer leichten, virtuosen Pinselführung fast zum Schweben bringt. In der letzten Phase mischt Mirak ihre Ölfarben häufig selbst und veredelt einzelne Partien mit echtem Gold, was einigen ihrer Werke einen beinahe sakralen Charakter verleiht. Diese Technik, die aus langen Experimenten hervorgegangen ist, ist nicht nur ein Arbeitsprozess, sondern ein poetisches Verfahren, das die Tiefgründigkeit ihrer Themen sichtbar macht.
Als Absolventin der Akademie der Bildenden Künste in Breslau erschafft Natasza Mirak Figuren, die zugleich real und unwirklich sind – Gestalten, die, wie sie selbst sagt, generationenübergreifende und trans-räumliche Beziehungen herstellen. Ihre Gemälde sind Erzählungen, in denen die Künstlerin fantastische, symbolgeladene Geschichten vorschlägt, die an die eigene Biografie ebenso gebunden sind wie an universelle menschliche Erfahrungen. Die außergewöhnliche technische Raffinesse verbindet sich mit einer emotionalen Intensität, die den Betrachtenden unmittelbar erfasst.
Manche ihrer Werke erinnern durch ihren Goldgrund an mittelalterliche Ikonen, andere verweisen auf zeitgenössische Formen der Porträtkunst – doch stets schlägt Mirak eine Brücke zwischen Vergangenheit und Gegenwart. Gerade in dieser Verknüpfung liegt die Kostbarkeit ihres Stils: Er ist fest verwurzelt, aber offen für Transformation. Ihr Schaffen lädt uns ein, jenseits der sichtbaren Oberfläche neue Bedeutungen, neue Erinnerungen und neue Reflexionen zu entdecken die die Zukunft formen.
- Ausstellung
- Vernissage
-
-