Tagung zu Tierbildern im Kontext des Kolonialismus

 

August Gaul. Moderne Tiere

Beginn
Samstag 16. Oktober 2021, 10h00
www
www.kunstmuseumbern.ch/1048-ta-gung-zu-tierbildern-im-kontext-des-kolonialismus-120.html
Ort/Lokal
Kunstmuseum Bern
 
Ortsplan
Details
Expertinnen und Experten diskutieren die Präsenz und das Nachleben «kolonialer Tiere» in der Kultur der Moderne: in zoologischen Gärten und Naturkundemuseen, in der Werbung für Kolonialwaren oder im Tierfilm.

Löwen, Elefanten, Strausse, Kamele und ein Tapir bevölkern die Tierwelt August Gauls (1869-1921). Dabei hat der berühmte deutsche Tierbildhauer und Mitbegründer der Berliner Secession im Gegensatz zu manchem Künstlerkollegen nie selber Fuss auf den Boden europäischer Kolonien gesetzt. Seine Tiere fand er direkt vor der Haustür, im Berliner Zoologischen Garten und im Naturkundemuseum. Dort waren sie stolz als Erwerbungen aus Kolonialgebieten ausgewiesen oder als Ankäufe aus vergangenen Völkerschauen - inszeniert in orientalisierenden Stilbauten, die eine Koevolution von Natur und Kultur nahelegten, oder ausgestopft in lebensechten Dioramen, die eine unberührte Wildnis vortäuschten. Doch nicht nur in Zoo und Museum begegneten ihm «exotische» Tiere: Koloniale Tierfilme gehörten zu den Kassenschlagern des frühen Kinos, Diavorträge mit Blitzlichtfotografien jagender Wildtiere lockten das Massenpublikum in die Auditorien und Bilder afrikanischer und südasiatischer Fauna prangten an Fassaden von Handelshäusern ebenso wie auf Werbetafeln für Kolonialwaren.

Inwiefern war diese Popularität «exotischer» Tiere um 1900 - in den Künsten wie auch in der Wissenschaft und Populärkultur - eine Folge der europäischen Kolonial-expansion, die die europäischen Sammlungen schlagartig anwachsen liess und in deren Zuge die Grenzen von Natur und Kultur, «Wildheit» und «Zivilisation» an und mit Tierkörpern visuell verhandelt wurden? Welche Bedeutung hatten Tierbilder für die Bewerbung des Kolonialgedankens, wie auch für die Prägung von Vorstellungen des «Eigenen» versus «Fremden», von verführerischer Ursprünglichkeit und «legitimer» Eroberung? Und inwiefern ging die Exotisierung von Tieren mit einer Exotisierung von Menschen, ihrem «Othering» und ihrer Sexualisierung einher? Die Tagung widmet sich dem kolonialen Kontext, in dem August Gauls Plastiken «exotischer» Tiere entstehen und als Publikumslieblinge reüssieren konnten. Sie fragt dabei auch nach dem Fortleben kolonialer Bildwelten in heutigen visuellen Medien, sowie nach ihren Auswirkungen auf globale Machtgefüge, Vorstellungswelten und Herrschaftspraktiken.

Tagungsorganisation:
K. Lee Chichester, Sarah Csernay, Noémie Étienne, Priska Gisler und Luzia Hürzeler
Ausgehen...
Vortrag